REZENSION | Alle meine Wünsche - Grégoire Delacourt


Ich weiß nicht, warum, aber Alle meine Wünsche hat mich zur richtigen Zeit und am richtigen Ort mitten ins Herz getroffen. Dass ich es gelesen habe, das ist Zufall. Es wurde mir vor langer Zeit zu Weihnachten geschenkt und liegt seitdem ungelesen in meinem Regal. Denn es ist kein Jugendbuch. Die Protagonistin ist verheiratet. Sie ist über 40. Sie hat Kinder. Sie hat eine Fehlgeburt hinter sich, an der sie fast zerbrochen ist. Sie ist Besitzerin eines Ladens und fristet ein Leben, das viele als "gewöhnlich" bezeichnen würden. Und doch habe ich mich in ihr so sehr wiedergefunden wie sonst selten in literarischen Figuren. Ganz besonders in Protagonisten.
Wisst ihr, ich fand das Konzept von Geld schon immer seltsam. Warum gibt es so etwas? Wer kam auf die Idee? Warum können wir nicht alle in einer Welt leben, in der jeder seinen Beitrag zur Gesellschaft leistet und jeder im Gegenzug das erhält, was er zum Leben braucht? Niemand wäre obdachlos. Niemand müsste leiden. Aber das geht nicht. Weil es eben so ist. Weil das System etwas anderes vorsieht.
Die Welt um Stars und Sternchen ist mir suspekt. Nicht dass ich nicht gerne Hollywood Blockbuster schaue oder keinen dieser Stars mag. Im Gegenteil, ich finde sie teilweise unglaublich. Aber ich würde niemals, nicht für alles Geld der Welt einer von ihnen sein wollen.
Wir alle beschweren uns über unser Leben. Dies ist nicht so wie wir es gern hätten und jenes sollte größer, schneller, besser sein. Und überhaupt, wenn man einen Lottogewinn hätte, dann würde man sich alle Wünsche erfüllen. Das ist zumindest das, was andere gerne sagen. Millionäre verlieren alles, was sie haben, innerhalb von wenigen Monaten. 
Und ich? Was würde ich tun? Die Antwort lautet: Vermutlich gar nichts. Ich würde das Geld auf mein Konto einzahlen und dort würde es bleiben.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich mich mit dieser Protagonistin so gut identifizieren konnte, obwohl ihr Leben sich von meinem so stark unterscheidet. Vielleicht ist ihre Denkweise und die Aussage des Romans auch das, was mir dieses Buch so nahe gehen ließ. Ich weiß es nicht. Tatsache ist, dass ich selten einen Roman gelesen habe, der mich so sehr berühren konnte wie dieser. So etwas sollte man als Lektüre im Unterricht lesen, nicht den Schrott, den man mir damals aufgetischt hat.
Mein einziger Kritikpunkt ist das Ende. Wisst ihr, ich hasse deprimierende Bücher. Ich hasse sie, weil ich Romane lese, um Spaß dabei zu haben. Bei diesem Ende hat mir einfach die Hoffnung auf das Gute im Menschen gefehlt. Jocelyne war das Gute, das weiß ich, aber von ihrer Hoffnung und Güte und Herzlichkeit findet sich in diesem Ende nichts mehr.

♥♥♥♥

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